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Naturwissenschaftliche Traumtheorien

Der Traum aus physiologischer und experimentaler Sicht

McCarley und Hobson haben ein einfach erklärbares physiologisches Erklärungsmodell für die Entstehung von Träumen erarbeitet, die sie die "Aktivierungs-Synthese-Theorie" nannten. Danach wird die elektrische Aktivität im Traum innerhalb des Gehirns und nicht durch Aussenreize erzeugt. Traumberichte werden als psychologische Begleiterscheinungen von physiologischen Aktivierungszuständen in bestimmten Teilen des Gehirns verstanden, wobei diese etwa alle 90 Minuten rhythmisch auftreten. Der Hirnstamm unterhalb der Schädelbasis ist für den Schlaf wichtig. Er kontrolliert viele automatische und rhythmische Funktionen des Nervensystems, darunter Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur und den Schlaf-Wach-Rhythmus, für den speziell der mittlere Teil, die Pons (Brücke) "zuständig" ist. Die "Riesenzellen" im Bereich der Brücke zeigen einige Minuten vor Beginn einer REM-Phase ein Ansteigen ihrer elektrischen Aktivität, die innerhalb der REM-Phase ein Maximum erreicht. Diese etwas vereinfachten physiologischen Erklärungen sollen Ihnen helfen, das Aktivierungs-Synthese-Modell zu verstehen. Der Grundgedanke dieser Hypothese (Annahme) besteht darin, dass das Gehirn während des REM-Schlafes durch innere, selbsterzeugte Reize, die aus der Region der Brücke kommen, aktiviert wird, wobei jeder der aktivierten Gehirnteile in bezug auf die zeitliche Abfolge, die Dauer und die Intensität ein charakteristisches Muster aufweist. Das Gehirn stellt - genau wie im Wachzustand - aus diesen Informationen eine Synthese (Zusammenfügung) her. Das Gehirn wird jedoch im "Schlaf völlig anders aktiviert wie im Wachen. Erstens gibt es eine direkte Aktivierung der Sehzentren im Gehirn, übrigens auch bei Blinden, und zweitens wird die Information über die Augenbewegungen auch zu anderen Zentren weitergeleitet, "...die dann passende visuelle Vorstellungen erzeugen, um eine Begründung für diese Bewegung zu liefern."  Demnach wären z.B. Träume mit starken visuellen Eindrücken die psychologische Wechselbeziehung einer Reizung des Hirns im optischen Zentrum. Träume bei denen Sie sich drehen oder das Gefühl haben zu schweben, dürften demnach nicht mehr als "Tendenz sich loszulösen und zu verselbständigen" gedeutet werden, sondern schlicht und einfach als Ausdrucksform vestibulärer Reizung. (Das Vestibularsystem ist das Kontrollzentrum für Gleichgewicht und Raumgefühl). Ebenso wenig dürfen Sie demnach den "typischen Traum", in dem Sie zu laufen oder fliehen versuchen, jedoch das Gefühl haben, gelähmt zu sein und gar nicht oder nur im Schneckentempo vom Fleck kommen, als Wunsch, doch eingeholt zu werden, deuten. Vielmehr gibt es glaubwürdige physiologische Daten, dass dieses Gefühl durch die Wahrnehmung der während des REM-Schlafes auftretenden Muskelhemmung entsteht.

Die neurologische Traumtheorie von J. Winson

In seinem Buch "Auf dem Boden der Träume" vertritt er eine neurologische (nervenkundliche) Theorie, die Freuds Beobachtungen erklärt. Aus dieser Hypothese (Annahme) ergibt sich eine Neuinterpretation der Bedeutung von Träumen. Der Schlaf, zumindest sein REM-Stadium, in dem Sie träumen, wird vom Gehirn offenbar für eine einzigartige Form der Informationsverarbeitung benutzt, von der der Traum zeugt. Die grosse Nervenaktivität während des REM-Schlafs hilft dem Gehirn, seine Verbindungen zu vervollkommnen, da das Gehirn bei der Geburt noch nicht voll entwickelt ist. Ihre Träume sind ein Fenster, das Ihnen einen Einblick auf die neuralen Prozesse gewährt, durch die Strategien für das Verhalten von früher Kindheit an festgelegt, modifiziert (abgeändert) oder konsultiert (um Rat angefragt) werden. Winson glaubt, dass die phylogenetisch (entwicklungsgeschichtlich) uralten Mechanismen, die im REM-Schlaf ablaufen und mit deren Hilfe Erinnerungen, Assoziationen und Strategien vom Gehirn als eigene Kategorie von Informationen im präfrontalen Kortex und damit zusammenhängenden Strukturen gebildet und behandelt werden, in Wirklichkeit das Freudsche Unbewusste sind. Während des REM-Schlafs erfolgt eine Informationsverarbeitung, und die mentalen Assoziationen (geistigen Gedankenverbindungen) in anderen Schlafstadien mögen von ähnlichen Verarbeitungsprozessen zeugen. Nach ihm erfolgt im Schlaf eine systematische, aber komplexe Informationsverarbeitung. Dabei geht er in der Analyse von Träumen noch einen Schritt weiter. und grandiose Ideen, Eifersucht und Liebe, Bewältigungsstrategien für die Wirklichkeit - und sie sind in ihrer Sichtweise so eng miteinander verknüpft, dass er die Ansicht vertritt, Sie werden ihnen am ehesten gerecht, wenn Sie sie als Elemente der Persönlichkeit betrachten: nämlich Ihrer unbewussten Persönlichkeit. Nach ihm sind Träume die Aussagen, Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen Ihrer unbewussten Persönlichkeit. Der allnächtliche Inhalt - d.h., das, was das Interesse Ihrer unbewussten Persönlichkeit fesselt - ist bis zu einem gewissen Grad von den Ereignissen des Lebens abhängig. Alle Inhalte der Träume bilden trotz ihrer scheinbaren dramatischen Pendelschwünge vom Seltsamen zum Logischen und Tatsächlichen von Tag zu Tag eine zusammenhängende Struktur und wiederspiegeln die unbewussten Überlebensstrategien des einzelnen - Ihre unbewusste Persönlichkeit.