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Symbol analytische Traumtheorien

Die Symboltheorie von C.G.Jung

Jung hatte Freud schon sehr frühzeitig das Recht bestritten, seine Traumübersetzungen überhaupt symbolische Deutungen im eigentlichen Sinne zu heissen. Es werde von ihm ja nur einem Traumding die Bedeutung einer anderen, ebenso bekannten Sache zugelegt. Jung wirft Freud eine bloss semiotische (Lehre von den Zeichen) Auffassung der Symbolik vor. Ein wirkliches und rechtmässiges Symbol ist ein Traumding jedoch ausschliesslich dann, wenn Sie in ihm eine Bedeutung oder einen Sinn ahnen, der über die reine Tatsächlichkeit des wahrgenommenen Gegenstandes hinausgeht. Lebendig bleibt ein Symbol überhaupt nur so lange, als dieser, die reine Tatsächlichkeit überragende Sinn begrifflich noch gar nicht klar erkannt werden kann, so dass das geträumte Ding den zurzeit bestmöglichen Ausdruck für den eigentlich gemeinten, rational noch völlig oder relativ unbekannten psychischen Tatbestand darstellt.

Bei Freud und Jung zeigt also ein "symbolisch wirkender" Gegenstand nicht ganz dasselbe an. Bei Freud deutet er über seine "reine Tatsächlichkeit" hinaus fast immer nur auf eine Sexualbedeutung hin.Bei Jung dagegen ist der angezeigte Tatbestand irgendein noch nicht zureichend rational begriffenes psychisches Gebilde.




Damit hat Jung die bereits 10 Jahre zuvor von H. Silberer geäusserte Symbolbeschreibung wieder aufgenommen, der das Symbol entstehen sah, "wenn der Mensch geistig nach etwas greift, was seiner Fassungskraft noch zu ferne ist".

C.G.Jungs Verdienst seiner Symbolauffassung besteht darin, dem möglichen symbolischen Sinn eines Traums einen viel weiteren Spielraum als Freud gelassen zu haben.

Er unterscheidet folgende Arten der Symbolbildung:

Der analoge (ähnliche) Vergleich

Die Sonnenscheibe ist z.B. mit ihrer befruchtenden Wärme ein Analogon (Ähnlichkeit) zur befruchtenden Wärme der Liebe: die Libido (psychische Energie) wird zum Feuer.

Die kausativen (ursächlichen) Vergleiche

Der Objektvergleich

Sonne und Feuer als wohltätige Mächte sind Objekte der menschlichen Liebe, z.B. heisst der Sonnenheld Mithras und "Vielgeliebte".

Der Subjektvergleich

Die Libido wird durch ihren Ursprungsort oder dessen Analogon (Ähnlichkeit) bezeichnet, z.B. durch eine Phallus-Bildung oder eine Schlange.

Der Tätigkeitsvergleich

Dabei ist das tertium comparationis (der Vergleichungsgrund) die Tätigkeit. Beispielsweise befruchtet die Libido wie der Stier, ist gefährlich ...wie der Löwe, der reissende Eber ist brünstig wie der stets brünstige Esel.

Der Tätigkeitsvergleich kann ebensowohl der Kategorie des analogen wie der des kausativen Vergleiches angehören.

Diese Vergleichsmöglichkeiten bedeuten ebenso viele Symbolmöglichkeiten.

Nach ihm ist das Traumsymbol die bestmögliche Beschreibung einer relativ unbekannten, aber geforderten Sache. Es ist immer auch auf noch weitere Bedeutungsmöglichkeiten eingestellt. Sollte es einmal, im Laufe der Zeit, so weit kommen, dass auch dieser Rest an Unbekanntem in vollem Umfang gegeben ist, so wäre nach Jung das entsprechende Symbol tot. Es wäre dann eine Analogie oder Allegorie geworden. Im Symbol sind immer rationale und irrationale Elemente vereint.

Wandlungssymbole in Träumen

In ihrem Buch "Traumsymbolik" hat Ania Teillard, den Stadien des inneren Reifungsprozesses folgend, in den Träumen typische Wandlungssymbole nach C.G. Jung zitiert.

Es heisst da:

Symbole des Anfangsstadiums des psychischen Wandlungsprozesses sind:

die kosmische Katastrophe (Erdbeben, Überschwemmung usw.), Tiersymbole, wie Schlange, Vogel, Pferd, Stier.

Ferner Keller, Höhle, Meer, Waffen, Instrumente, christliches Kreuz.

Symbole des mittleren Stadiums sind:

der Frosch, der gefährliche Übergang (die Furt), der Baum, das Schweben, Schwimmen, Aufgehängtsein.

Zum Ende des Individuations-Prozesses gehören alle Symbole des Selbst:

wie das gleichschenklige Kreuz, geometrische Symbole (Kreis, Quadrat), die Blume, speziell die Rose; Rad, Stern, Ei, Sonne, Kind.

In der zweiten Hälfte des Lebens wird es deutlich, dass es aus dem Unbewussten kommende Entwicklungen gibt, die Sie aus den persönlichen Bindungen hinauswachsen lassen. Das Unbewusste kann helfend einen Sinn hinter aller angeblichen Sinnlosigkeit der Lebensbeziehungen auffinden lassen. Aus Ihren Träumen kann der Weg zum Selbst gewiesen werden, jener ruhenden Übereinstimmung von Bewusstem und Unbewusstem.